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WILLKOMMEN AUF GOZO - Eine Insel stellt sich vor
Eine Einleitung von Klaus Bötig, Bremen

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Gozo ist winzig. Mit 67 Quadratkilometern Fläche ist es fast viermal kleiner als die große Schwesterinsel, mit nur 27 000 Bewohnern sehr viel dünner besiedelt. Selbst die Inselhauptstadt Victoria wirkt ländlich-behäbig. Die einzelnen Dörfer tragen nicht nur eigene Namen, sondern sind auch deutlich voneinander getrennt. Nur drei Orte – Xlendi, Marsalforn und Mgarr - liegen am Meer. Bedeutung haben sie erst durch den Tourismus gewonnen. Die Landwirtschaft, überwiegend nur als Nebenerwerb betrieben, prägt Gozos Gesicht.

Landschaftliche Vielfalt
 Das ist unerhört vielfältig. Steilküsten, die in der Gemarkung Ta’ Cenc bis zu 140 Meter hoch aus dem Meer aufragen, säumen das Ufer auf weiten Strecken. Sie lassen nur in der Ramla Bay Platz für einen langen, breiten Sandstrand. Ansonsten badet man überwiegend von Felsen und winzigen Sand-Kiesstreifen aus. Obwohl Gozos Tafelberge und langgestreckte Höhenrücken die zentrale Ebene um die Inselhauptstadt Victoria (maltesisch: Rabat) deutlich überragen und eindrucksvoller wirken als die Hügel Maltas, ist die höchste Erhebung der Insel mit nur 195 Meter vermessen. Das Wied Hanzira zwischen Xewkija und dem Mgarr ix-Xini Creek wirkt wie eine wilde Schlucht en miniature, im Lunzjata-Tal zwischen Victoria und Kercem prägen 300 Jahre alte Joannisbrotbäume eine ganz mediterran anmutende Landschaft. In den Tälern Ir-Rihan und San Blas bei Nadur gedeihen Zitronen- und Orangenbäume, das Wied il-Ghasri an der Nordküste westlich von Marsalforn wirkt wie das Miniaturmodell eines norwegischen Fjordes – ein herrlicher Platz zum Schwimmen!

Im Schatten Maltas
 Historisch gesehen war Gozo immer nur ein Anhängsel Maltas. Trotzdem sind aus jeder maltesischen Geschichtsepoche auch hier Relikte zu finden: der neolithische Tempel Ggantija, die Karrenspuren bei Ta’ Cenc, die Reste eines phönizischen Nymphäums und einer römischen Villa, die mittelalterliche Zitadelle von Victoria, das 250 Jahre alte Fort Chambray des Johanniterordens, ein von den Briten im 19. Jh. erbauter Aquädukt. Aber Bedeutung hat Gozo nie erlangt. Die Türken liegen das Inselchen 1565 fast unbeachtet liegen, Deutsche und Italiener warfen hier keine einzige Bombe absichtlich ab.
 Die Gozitaner von heute kämpfen um ihre Anerkennung und legen Wert auf ihre Eigenständigkeit. Seit dem 10. Mai 1987 ist für sie die Welt ein wenig gerechter geworden – seit jenem Tag kurz nach dem Wahlsieg der Nationalisten, für die die Mehrheit der Gozitaner traditionell stimmt, gibt es endlich innerhalb des maltesischen Kabinetts einen Minister für Gozo. Trotzdem bleiben viele Wünsche der Gozitaner unerfüllt. Einer von ihnen: Sie möchten einen eigenen Flugplatz haben. Wo der auf dem Inselzwerg hin passt und wer ihn anfliegen soll, ist Kritikern unklar. Dennoch erhoffen sich die Insulaner davon mehr Tourismus.

Touristen erwünscht
  Der spielt wirtschaftlich zwar schon eine große Rolle, fällt aber überwiegend tagsüber ins Auge. Über 300 00 Besucher kommen jährlich auf Tagesausflügen von Malta aus herüber und durchkämmen die Insel im Schnelldurchgang. Bei den meisten von ihnen bleibt im Kopf ebenso wenig hängen wie in den Portemonnaies der Gozitaner. Die Gewinner sind die maltesischen Reisebüros und die ausländischen Reiseveranstalter.
  Die ganze Schönheit Gozos aber wird man nur erfassen, wenn man sich nicht in diese Massen einreiht, sondern ein paar Tage auf Gozo bleibt. Entweder als Alleinurlaub oder als Anhängsel nach einem möglicherweise anstrengendem Kulturprogramm auf Malta. Auch auf Gozo gibt es Tauch- und Sprachschulen, ein Luxushotel mit vielfältigem Wellness-Angebot und Hotels aller Kategorien. Vor allem aber ist eine auf Malta nahezu unbekannte Urlaubsform auf Gozo sehr attraktiv: in alten, modernisierten Bauernhäusern Ferien zu machen. Da hat man meist eine ganz moderne Küche, einen eigenen Grillplatz und sogar einen eigenen Pool – und kann doch das traditionelle Dorfleben ganz hautnah miterleben.

Gozitanischer Wein
  Haupterwerbsbauern freilich sind auch auf Gozo selten geworden: es dürften nur noch etwa 800 sein. Weit über 2000 Gozitaner aber betreiben neben einer anderen Tätigkeit ein wenig Landwirtschaft. So findet auf Gozo immerhin noch etwa 10% der maltesischen Fleischproduktion statt, allein über 5500 Rinder und 4500 Schweine werden in gozitanischen Ställen gehalten. In Gewächshäusern werden Tomaten und Frühgemüse für den Export angebaut, auf den Feldern Kartoffeln, Zwiebeln, Wassermelonen sowie ein wenig Weizen und Gerste. Einen immer besseren Namen erkämpfen sich die gozitanischen Weine. Der gozitanische Pfefferkäse ist schon seit langem weithin berühmt und darf bei keiner Mahlzeit fehlen
  Im übrigen arbeiten die Gozitaner im kleinen Industriegebiet der Insel nordwestlich von Victoria oder pendeln täglich zwischen Gozo und Malta, haben Geschäfte oder sind im Tourismus tätig. Die Meersalzgewinnung an der Küste westlich von Marsalforn, früher ein wichtiger Erwerbszweig, ist völlig zum Erliegen gekommen. Was hingegen boomt, ist die Bauwirtschaft. Ehemalige Hotels werden in Apartmentanlagen für wohlhabende einheimische und ausländische Käufer umgewandelt; weiterhin bestehende Hotels aufwändig modernisiert und ausgebaut, leer stehende historische Bauernhäuser in Feriendomizile auf Zeit umgewandelt.

Urlaub auf Gozo
 Die einmalige Atmosphäre Gozos leidet darunter nicht. Sie besteht vor allem aus Müßiggang. Eile ist hier fehl am Platz – wer will seine Urlaubsinsel schon zehnmal am Tag umrunden? Man nimmt sich Zeit für ein Tässchen Kaffee in der Dorf-Bar wie dem Central Coffee House in Victoria oder der Diamond Jubilee Bar in Xaghra. Schaut dem bunten Treiben am winzigen Fischerhafen von Marsalforn zu, durchschwimmt den Fjord von Xlendi in voller Länge. Fährt mit dem Boot durch den Felstunnel des Inland Lake oder spaziert den Kalvarienbergsweg an der Wallfahrtskirche Ta’ Pinu hinauf. Genießt den weiten Blick über die schöne Insel aufs Meer, sieht an klaren Tagen vielleicht sogar die Küste Siziliens. Und träumt abends am Pool seines Bauernhauses oder genießt die so britische Pub-Atmosphäre im Jubilee am Independent Square von Victoria. Für eine gute Nachtruhe ist gesorgt – nur mit Hahnenschreien am frühen Morgen muss vielleicht gerechnet werden.

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